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Bericht der Kynologischen Abteilung 2020

Bericht aus der Kynologischen Abteilung über das Jahr 2020

Das Jahr 2020 stand auch bei den Kynologen ganz im Zeichen von Corona. So fielen die meisten der jedes Jahr im Frühjahr vorgesehenen Termine wie Vereinsversammlungen und das große Treffen des Jagdgebrauchshundverbandes in Fulda aus, genau wie nahezu alle Jugendprüfungen. In Friedensjahren hatte es so etwas noch nie gegeben. In einer Abstimmung mit den JGHV-Vereinen wurde dann eine Corona-Spurprüfung 2020 ausgearbeitet und ab 16. Juli, also  nach der Brut- und Setzzeit, bis Mitte November konnten dann die jungen Vorstehhunde deutschlandweit wenigstens in den züchterisch besonders wichtigen Fächern Schussfestigkeit, Arbeit auf der Hasenspur und wo möglich Laut geprüft werden.

Im Jahr 2020 war turnusgemäß der Hanauer Jagdklub im Rahmen der Suchengemeinschaft für die Ausrichtung der Prüfungen zuständig. Also hatten wir nur den/die Hundeführerlehrgänge und die Bringtreueprüfung vorzubereiten oder durchzuführen. Selbstverständlich sind die Richter und Reviere aber trotzdem in jedem Jahr gefragt, zumal viele unserer Kynologen in beiden Vereinen höchst aktiv sind. Die geplante Bringtreueprüfung Ende März auf dem Staken bei Mernes musste leider ausfallen, genau wie die Verbandsjugendprüfung Mitte April. Jeder weiß warum….

Unser Hundeführerlehrgang hatte am 1. März noch wie geplant begonnen, nachdem wir Mitte Februar an einem Infoabend das geplante Konzept vorgestellt hatten. Es hatten sich weit über 20 Teilnehmer vieler verschiedener Rassen angemeldet. Um es gleich vorweg zu nehmen: es war ein sehr guter Hundeführerlehrgang, die Teilnehmer waren im allgemeinen sehr fleißig und zuverlässig, wenn sie mal nicht konnten, meldeten die meisten sich ab. Leider durften wir nach dem 15. März bis Anfang Mai die sonntäglichen Übungstage nicht durchführen, es wurde in der WhatsApp-Gruppe und per Telefon versucht, erwünschte Hilfen zu geben. Ab Mai wurde dann – wie in jedem Jahr- mit der Ausbildung zum Apportieren, strengere Unterordnung, dann Schleppen und Schweißarbeit, später mit Wasserarbeit und Waldfächern/Standruhe und anderes weitergemacht. Immer wieder hatte mal jemand ein Problem, es ging nicht voran, der Hund wollte nicht gehorchen, wollte nicht ins Wasser, mochte plötzlich keine Schüsse mehr hören oder wollte auf den Schleppen nicht bringen. Zum Glück kamen diese Probleme – wie immer – nicht bei allen gleichzeitig, sodass man in der Gruppe erleben konnte, dass und wie man durch dieses Problem hindurch kommen kann. Anders als in „normalen“ Jahren mussten wir die Fächer Suche und Vorstehen, die sonst zeitig im Frühjahr intensiv gezeigt und trainiert werden, mit den Vorstehhunden erst im Spätsommer einüben. Wetter und Bewuchs erschweren zu der Zeit diese Übungen – im kommenden Jahr wollen wir das versuchen, anders zu organisieren (… wenn es denn möglich sein wird …).

Anfang August und Anfang November führten wir dann in Birstein, Hasselroth und Mittelbuchen 3 „Corona-Spurprüfungen“ durch. Insgesamt 10 Hunde hatten so die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten auf der Hasenspur, Schussfestigkeit und Laut vor drei Richtern nachzuweisen.

Vorher bereits hatten wir im Juni am Fronleichnamstag in Bad Orb die inzwischen bereits 4. Verbandsschweißprüfung der Suchengemeinschaft in den sehr gut geeigneten Revieren durchgeführt. Hier konnten zwei der vier vorgestellten Hunde die schwere Prüfung bestehen, als Suchensieger konnte der UK-Rüde Varus vom Paradies von Petra Diebelius mit beeindruckend ruhiger, sicherer Arbeit und verdientem ersten Preis vorgestellt werden. Auf dieser Prüfung nicht bestehen zu können, ist – noch weniger als auf anderen Prüfungen – wahrhaftig keine Schande, es gehört immer auch etwas Glück und Erfahrung dazu, dass am Ende geblasen werden kann. Wer das noch nicht gemacht hat, kann es sich nicht vorstellen, wie einsam – aber gegebenenfalls auch stolz-glücklich – man sich hier im Wald fühlt! Das Gespann hat auf jeden Fall eine Menge gelernt, ob bestanden oder nicht!

Am 9. August konnten wir dann in Hasselroth unsere alljährliche Richterschulung durchführen. Sie wird immer zusammen ausgerichtet von den beiden Vereinen der Suchengemeinschaft und dem DL Hessen – dementsprechend sind normalerweise viele Anmeldungen zu verzeichnen. Dieses Jahr war unser Referent der langjährige Stammbuchführer des Jagdgebrauchshundverbandes, Wolfgang Wischmeyer und das Thema war „Wasserarbeit auf Verbandsprüfungen“. Lange war nicht klar, ob wir diese Schulung durchführen durften, viele Anmeldungen mussten dann auch abgewiesen werden, denn wir durften zu der Zeit in der vorgesehenen Gaststätte nur 30 Personen annehmen und unsere „eigenen“ Richter sollten Vorrang haben. Hundeführer und einige weitere Interessierte konnten aber am Wasser in Hasselroth mit genügend Abstand dabei sein. Es war absolut klasse, dass Hunde verschiedenen Ausbildungsstandes Arbeiten vorführten, die entsprechend den Prüfungsordnungen gefordert wurden, und die wirklich gut zur Schulung der anwesenden Richter und Richteranwärter geeignet waren, dabei natürlich auch zu manchen Diskussionen führten. Danke an die 7 mutigen Hundeführer unseres Lehrganges, die Hunde in der Vorbereitung zur HZP, AZP und VGP/VPS aus 6 verschiedenen Rassen vorstellten. Nur so kann einheitliches Richten gefördert werden und auch die Hundeführer konnten aus den Ausführungen des Referenten so einiges an nützlichen Infos mitnehmen.

Mitte September gingen dann unsere Prüfungen mit den inzwischen schon zur Gewohnheit gewordenen Abständen und Vorsichtsmaßnahmen wie vorgesehen weiter: Am 18./19. September führten wir mit 6 Hunden in zwei Gruppen in Hasselroth und Bruchköbel die Herbstzuchtprüfung unter der Suchenleitung von Achim Kampa durch. Sie wurde zu Ehren unseres im April leider verstorbenen Kynologen und verdienten Mitglieds Robert Strempel als „Robert-Strempel-Gedächtnis-HZP“ ausgeschrieben. Bereits am Freitag wurde die Wasserarbeit für alle Hunde im benachbarten Bayern – in Kahl – durchgeführt. Hier wurden teilweise supergute Arbeiten hinter der Ente gezeigt. Leider fiel eine Hündin bereits dort beim Bringen durch. Am nächsten Morgen ging die Prüfung dann auf den Schleppen und im Feld bei allerbestem Prüfungswetter weiter – leider versagten hier drei weitere Hunde beim Bringen auf den Schleppen… – das passiert leider immer wieder, Hunde sind eben keine programmierten Maschinen und merken häufig auch sehr stark die Aufregung ihrer Führer. Alle drei Führer traten aber in den folgenden Wochen bei anderen Vereinen nochmals an, zwei von ihnen konnten dann mit sehr guten Ergebnissen die Prüfung bestehen. Auf „unserer“ Prüfung konnten dann also zwei Hunde mit sehr guten Ergebnissen bestehen: Timo Brand fand beim ersten Suchengang ein Hufeisen und bestand an seinem Geburtstag mit seiner KlM-Hündin Alegra vom Neuenhof Horst mit 172 Punkten und als weitgereister Gast aus Brandenburg bestand Felix Kaufmann mit seiner selbstgezüchteten DK-Hündin Clara vom Doberstedter Feld. Er wurde mit 183 Punkten Suchensieger und erhielt den vom HJK gestifteten Suchensiegerpokal.

Eine Woche später wurde unter der bewährten Leitung von Hans-Jürgen Zöller die Brauchbarkeitsprüfung durchgeführt. Diese Prüfung ist immer sehr gefragt, wir können aber immer nur 12 Nennungen annehmen. Frühzeitiges Melden rentiert sich da immer, dieses Jahr war die Prüfung bereits Anfang August „besetzt“. In bewährter Professionalität und mit erfahrenen Richtern wurden die gemeldeten Hunde in den Fächern Gehorsam, Nachsuche auf Schalenwild, Nachsuche auf Niederwild (ohne Wasserarbeit) und Stöbern geprüft. Nicht unerwähnt bleiben soll, dass wir Richter und einige Revierinhaber im Vorfeld dieser Prüfung so manchen Abend oder Morgen unterwegs waren, um die erforderlichen – und in anderen Jahren meist bei den Jugendsuchen erbrachten – „Lautnachweise vor Richterohren“ zu erbringen, die Voraussetzung zur Teilnahme an der Schweißarbeit sind. Die meisten Gespanne konnten dann wenigstens das eine oder andere der gewählten Fächer bestehen, aber besonders beim Stöbern sollte man doch überlegen, ob der eigene – meist junge – Hund für diese Prüfung schon genügend vorbereitet ist. Das selbstständige Stöbern vom Stand aus und der erforderliche Laut ist nicht jedem Hund in die Wiege gelegt und wenn man es noch nie geübt hat oder der eigene Hund auch sonst noch nie laut hinter Wild war, ist das Bestehen der Prüfung doch eher unwahrscheinlich und so mancher Richter fühlt sich etwas „veräppelt“.

Ja, unsere Verbandsrichter waren in diesem Jahr gewaltig gefordert – es ging am 10. und 11. Oktober weiter mit der VGP und VPS, zu der dieses Jahr wieder mal 8 Gespanne angemeldet waren, 5 Hunde zur Verbandsgebrauchsprüfung, der Meisterprüfung der Vorstehhunde, und 3 Hunde sollten auf der Verbandsprüfung nach dem Schuss, das ist quasi eine „Komplett-Brauchbarkeit“, geführt werden. Diese in zwei Vierergruppen an zwei Tagen durchgeführte Prüfung benötigt immer besonders viel Einsatz von Richtern, auch Sonderrichtern Schweiß und Wasser, Revieren und Revierführern. Ganz besonderer Dank daher auch hier wieder an alle, die zum Gelingen dieser Prüfung in welcher Form auch immer beigetragen haben! Wir hatten sie dieses Jahr als „Gerhard-Weber-Gedächtnis-Prüfung“ ausgeschrieben, unser Altkynologe und langjähriger Hanauer Kreisjagdberater war im März verstorben. Wir hatten bestens geeignete Reviere, engagierte Richter, sehr gut vorbereitete Hunde und an beiden Prüfungstagen super Wetter! Leider fielen auch bei diesen Prüfungen zwei Hunde durch – sie machten etwas, was sie beim Üben nie gezeigt hatten: ein VPS-Hund hat das Kaninchen vor den entsetzten Augen des Führers und der Richter „gefrühstückt“ und ein VGP-Hund hat vor den Augen seiner geschockten Führerin und der Richter, die so etwas zum Glück auch nicht häufig sehen, den Fuchs in Windeseile im Wald unter Laub und Erde vergraben! Die anderen Hunde aber zeigten tolle Arbeiten, erwiesen sich als sehr gut durchgearbeitet, lediglich beim Schweiß gab es teilweise einen Abruf, was dann bei manchen zu sehr guten zweiten Preisen führte. Besonders im Feld konnten die Hunde zeigen, was einen VGP-Hund da ausmachen soll: gute Vorstehbilder, Gehorsam am gut vorhandenen Haar- und Federwild, Schussruhe bei weiträumigen Suchen. Es hat alle begeistert, die dabei sein konnten. Als Suchensieger der VPS am Sonntagnachmittag dann wurde der Labrador-Retriever-Rüde Hochangern Just Ready, geführt von Daniela Peter aus Hanau mit 224 Punkten im II. Preis geehrt. Das Gespann hatte den Richtern neben dem sehr gut bestandenen (freiwilligen) Wahlfach Fuchsschleppe zusätzlich nach der Riemenarbeit auf der Schweißfährte noch eine sehr gute Arbeit im Bringselverweisen gezeigt.

Die Führerin des besten Hundes auf der VGP und damit Gewinnerin des Gerhard-Weber-Gedächtnispokals und auch – wieder einmal – die Gewinnerin des KJV-Wanderpokals für den besten Hund aus dem Kreisjagdverein Gelnhausen auf der VGP war Petra Diebelius mit ihrem eigenen UK-Rüden Lupo vom Westerbach, der mit 326 Punkten im I. Preis bestand. Der Wilhelm-Fievet-Wanderpokal für den besten Hund aus dem Hanauer Jagdklub konnte nach mehreren Jahren endlich mal wieder vergeben werden – er ging hochverdient an den Erstlingsführer Eric Müller aus Bruchköbel, der mit seiner DK-Hündin Franziska von der Eickser Höhe 322 Punkte und einen tollen I. Preis erreichen konnte. Auch die beiden weiteren (bestandenen) VGP-Teilnehmer schnitten mit hohen Punktzahlen im 1. und 2. Preis sehr gut ab.   

Nur eine Woche später mussten die Kynologen bereits wieder antreten: Im Staatsforstrevier Gelnhausen-Höchst konnten wir am 17. Oktober zum ersten Mal eine Verbandsstöberprüfung mit 4 Hunden durchführen. Diese noch relativ wenig bekannte Verbandsprüfung, die während „echter“ Jagdausübung geprüft wird, konnten 3 DL bestehen. Die höchste Punktzahl erreichte dabei Günter Hunold mit seinem selbstgezüchteten DL-Rüden Abeno vom Spessart.

Am Hubertustag 2020 wurde dann gleich eine zweite Verbandsstöberprüfung, diesmal mit 8 gemeldeten Hunden der verschiedensten Rassen durchgeführt. Das Forstamt Schlüchtern hat dazu im Revier Schmidtmühle unter strengen Corona-Auflagen eine Stöberjagd in zwei getrennten Gruppen durchgeführt. 5 der 7 angetretenen Hunde konnten diese Prüfung bestehen, der beste Hund war der Gonczy Polsky-Rüde Alward vom Widarshall, geführt von Kai Fischer.

Ich danke hier ausdrücklich nochmal allen, die sich für die Durchführung dieser beiden Prüfungen eingesetzt haben, besonders natürlich den Forstämtern und den Richtern, ohne deren teils anstrengenden Einsatz so etwas nicht möglich gewesen wäre. Die Prüfungen kamen sehr gut an, wir bekamen auch hier viel mehr Meldungen, als wir „Plätze“ zu vergeben hatten, und wir drücken die Daumen, dass sich auch im kommenden Jahr Reviere/Revierinhaber finden, die uns die Durchführung ermöglichen. So hoffen wir, dass wir in der Suchengemeinschaft auch auf diesem Weg dazu beitragen können, für die vielen Drück- und Stöber-Jagden brauchbar-geprüfte Hunde nachzuweisen.  

Ja, das war das – im Gegensatz zu anderen Abteilungen – trotz aller Einschränkungen sehr arbeitsintensive Jahr bei den Kynologen. Das Kynologen-Abteilungsschießen konnten wir, zusammen mit der Bläserabteilung, Mitte August übrigens auch noch durchführen. Und ab Anfang Mai waren außerdem wieder mindestens einmal in der Woche, meist Sonntags, die sehr intensiven Übungstage im Hundeführerlehrgang. Unter der Leitung von Andreas Schlegel und Jochen Schocker, fast immer unterstützt von Helmut Timter und oftmals Udo Dallmann wurde in den verschiedensten Revieren fleißig geübt im Feld, am/im Wasser und Wald, teilweise auch hier aufgeteilt in kleinere Gruppen. Danke an alle, die uns auch hier immer helfen!

Hinzu kam etwas Neues – unter der Leitung von Hans-Jürgen Zöller wurden fast jeden Sonntag Welpenspieltage – meist in seinem Revier Langenselbold – angeboten und von Führern mit ihren jungen Jagdhunden der verschiedensten Rassen sehr gut angenommen. Neben Spiel und Sozialisierung wurden Anregungen zur Ausbildung – auch für die kommenden Monate – gegeben, die Apportier- und Wasserfreude gefördert, es konnten Übungskontakte geknüpft werden. Durch die große Resonanz, die wir zu diesen Welpentreffen bekamen, werden wir versuchen, das bei genügend Interesse auch im kommenden Jahr wieder zu organisieren. Danke, Hans Jürgen Zöller für die Ausrichtung, es hat allen viel Freude gemacht und ich bekam sehr viele positive Rückmeldungen dazu von allen Seiten!

Abschließend danke ich zum Jahresende allen, die sich für „unsere Hundesache“ eingesetzt haben und dies hoffentlich auch weiterhin tun werden, besonders meinem Stellvertreter und Lehrgangsleiter Andreas Schlegel. Die in anderen Jahren immer so schönen Lehrgangsabschluss- und auch Kynologen-Weihnachtsfeiern müssen dieses Jahr durch die strengen, aber natürlich sinnvollen Corona-Auflagen des Gesundheitsamtes, leider ausfallen – wir hoffen, dass wir sie bei passender Gelegenheit nachholen können. Für die – stark gebremst – laufende Jagdsaison wünsche ich allen Waidmannsheil und gesunde Hunde, aber vor allem hoffe ich, dass ihr alle gesund und munter ins Jahr 2021 kommt und dass wir uns da hoffentlich wieder auch bei fröhlichen Treffen sehen dürfen und können. Waidmannsheil!

Antje Engelbart-Schmidt