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Bundessieg des Bläsercorps

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Kranichstein 2019 – der Weg zum Traumziel…. – Was für ein Wochenende!


Nach unserem Vizelandesmeistertitel 2017 und dem völlig überraschenden dritten Platz im DJV war uns als „A-Team“ schon vor zwei Jahren klar – wir kommen wieder nach Kranichstein! Das große Ziel hieß: Landesmeister! Viele wissen nicht, dass wir als „Wettbewerbsgruppe“ nicht das ganze Jahr in der gleichen Formation zusammen üben – ohne Kranichstein im Blick gehören wir alle zu unserer wunderbaren großen, bunt gemischten G-Gruppe des KJV und üben einmal die Woche auf unserem Jägerheim ganz entspannt (definitiv KEINE Kranichstein-Signale) bei Rindswurst und Bierchen.
Etwa ein halbes Jahr vor Kranichstein haben wir dann angefangen, uns wieder separat als A-Gruppe zu treffen. Leider mit etwas (beruflich bedingtem) Verlust, aber auch mit einem menschlich wie bläserisch tollen neuen Zugewinn – alles in allem fast komplett unser ursprüngliches Team der letzten Jahre. Besonders freut mich dabei, dass meine „Jugend“, denen ich vor über 10 Jahren die allerersten Töne beigebracht habe (ja … damals waren sie alle noch kleiner als ich) trotz Abi-Stress, Lehre oder Vollzeitjob fast vollständig noch dabei ist. Gerade heute absolut keine Selbstverständlichkeit, wie ich finde.
Und sogar unseren Ältesten konnten wir nochmal motivieren – Danke Dieter – ohne Dich, unseren „Führer“, wäre es nur halb so schön gewesen!!!
Dazu kam dann ein neues C-Team – eine super lustige, hoch motivierte Gruppe von Anfängern, die nach einem Aufruf vom letzten Frühjahr Ende April 2018 ihre ersten „Gehversuche mit Horn“ bei mir gemacht haben. Sie wussten zwar alle nicht, was „Kranichstein“ bedeutet, entschieden aber im Januar, dass sie es versuchen wollten, dort in der Anfängerklasse zu starten.
Mitte März fuhren wir dann ins „Bläser-Boot-Camp“ – ein Übungswochenende in einem Selbstversorger-Gruppen-Haus bei Poppenhausen in der Rhön. Hier wurde von morgens bis abends fleißig geübt und natürlich viel Brauchtumspflege betrieben. Es war mein erstes selbst organisiertes Übungswochenende und ich war anfangs skeptisch: So viele völlig unterschiedliche Typen von Menschen, die sich zum Teil so gut wie nicht kannten, über zwei Tage in einem kleinen Haus mit 6-Bettzimmern und nur einem Gruppenraum, bei grottenschlechtem Wetter und bei einem so straffen Übungsprogramm…? Es übertraf all meine Erwartungen.
Kein Zickenterror, kein Streit, kein Gemotze – stattdessen sehr viel Spaß und vor allem – jeder half Jedem und kümmerte sich, dass es ein rundum gelungenes Wochenende wurde.

Danach waren alle noch motivierter – die C-Gruppe entschied: Wir wollen nicht nur dabei sein, sondern unser Bestes geben und meine A-Gruppe drängelte, dass zweimal üben doch nicht reichen würde, wenn wir mehr erreichen wollen… also erhöhten wir nach Ostern unser Übungspensum zum Leidwesen unserer Familien/Reviere/Hobbys/Freunde auf 3x die Woche. Für unsere A-Mannschaft ging es dann als „Generalprobe“ zwei Wochen vor Kranichstein am 2. Juni nach Bad Dürkheim in Rheinland-Pfalz. Unser Nachbar-Landesjagdverband richtete dort seinen Landeswettbewerb aus. Bei glühenden Füßen auf der Bühne lieferten wir eine wirklich sehr gute Leistung ab und wurden belohnt – 973 von 975 möglichen Punkten und der erste Platz unserer Klasse – wir waren natürlich mächtig stolz! Auch in der dort erstmals ausgetragenen Wertung „Quartett“ gingen Laura S., Gert, Jan und ich als Sieger hervor. Danke an Felix Brühl und seine Mannschaft für diesen tollen Tag!

Nun war der „Spaß“ vorbei, die letzten zwei Wochen übten wir nahezu täglich (!) und bei jedem Wetter auf dem Kipphasenstand – nichts neues für uns A’s , denn so hatten wir es bei all unseren Teilnahmen gemacht. Aber etwas war doch anders – die Motivation von ALLEN überraschte mich immer wieder, fast jeden Abend waren wir vollständig, keiner fehlte, wenn es nur irgendwie möglich war.
Doch auch meine C-Gruppe wollte das Beste aus sich herausholen, alle bemühten sich zu kommen – trotz unglaublicher Anfahrtswege von bis zu 45 km pro Fahrtrichtung – und das fast jeden Abend!

Jetzt kann ich es ja zugeben – meine Nerven lagen blank! Beinahe jeden Abend lag ich im Bett und dachte mir: „Jetzt geben sie sich alle so viel Mühe, opfern so unglaublich viel Zeit, Benzingeld und Nerven ihrer Mitmenschen – was, wenn das Ergebnis am Ende nicht zufriedenstellend ist? Hören sie dann alle auf, Jagdhorn zu blasen? Bricht unsere tolle gewachsene Gemeinschaft dann auseinander? Wie kann ich sie dann überhaupt noch motivieren??“
Der Samstagmorgen kam. Alle waren pünktlich um 7 Uhr an unserem Einblasort – die erste Hürde war damit schon mal geschafft. Ein letztes Einblasen, Stimmen und „Einnorden“, dann gings mit der C-Gruppe in Richtung Bühne.

Kurz vor dem Betreten der Bühne – Aufregung pur. Meinen gestandenen Männern zitterten die Knie, „ich kann nicht mehr blasen – ich bin viel zu aufgeregt – ich krieg keinen Ton raus“ – doch auf der Bühne klappte es dann doch! Ich war super stolz – so eine Leistung hatten wir bei keiner Übungsstunde geschafft! Mein Ziel – das Bestmögliche abzuliefern – war deutlich erfüllt!

Gut eine Stunde später durfte unser A-Team die Bühne betreten. Die Nervosität war riesig, der Moment auf den wir so viele Tage, Wochen und Monate hingearbeitet hatten. Alles klappte gut, auch wenn der ein oder andere mit sich nicht 100% zufrieden war, denn der Druck war doch enorm groß gewesen, das hatten wir uns selbst angemerkt. Aber – egal – ändern konnten wir es jetzt sowieso nicht mehr! Auch mit der Es-Horn-Gruppe konnten wir unsere drei auswendig vorzutragenden längeren Musikstücke am nachmittäglichen Es-Horn-Bundeswettbewerb besser als an all unseren wenigen Übungsabenden abliefern – zufrieden und ermüdet, nicht nur von der Sonne, konnten wir jetzt nur noch abwarten. Also wurden jetzt erstmal Gruppenfotos gemacht:

Das C-Corps

Um 16 Uhr dann die große Siegerehrung und es gab gleich die erste riesige Überraschung:
Landesmeister und Gesamtklassensieger in C! WOW! Ich konnte es kaum glauben. 1000 Steine fielen von mir ab! Was bin ich stolz auf meine Herren und Sabine!

Das A-Corps

Dann die Klasse A – der große Traum: das erste Mal Landessieger in dieser Klasse – hatte es gereicht? Die „Mitbewerber“ hatten auch super geblasen… Und dann: JA! Mit einem Punkt Abstand hatten wir es geschafft! Die Freude war unbeschreiblich und nicht nur ich konnte mir die Freudentränen nicht zurückhalten!

Die ES-Gruppe

Hinzu kam noch ein toller 5. Platz im DJV beim Es-Horn-Bundeswettbewerb bei unserer allerersten Teilnahme – ein rundum gelungener Tag ging zu Ende. In einem Darmstädter Biergarten feierten wir alle zusammen noch ziemlich lange – für unsere A-Gruppe allerdings etwas „mit angezogener Bremse“, denn am nächsten Tag stand ja noch der Bundeswettbewerb an.

Am Sonntagmorgen kamen wir auf die Bühne und waren viel lockerer als am Tag zuvor, was jeder sehen konnte. Wir lachten nach jedem Stück über unsere große „Fangemeinde“ und deren laute Jubelschreie. Das große Ziel war ja erreicht, den Landesmeister konnte uns keiner mehr nehmen und vielleicht gerade deshalb konnten wir dann eine Leistung abrufen, die noch über jeder Übungsstunde oder vorigem Wettbewerbsauftritt lag. Dabei hatten wir ja – wie alle – erst knapp 30 Minuten vor unserem Auftritt die ausgeloste, von uns vorzutragende Signalgruppe erfahren… Ich war absolut sprachlos und unglaublich stolz! Egal, was jetzt dabei herauskommen würde – wir waren mehr als zufrieden!

Als die Siegerehrung dann am Nachmittag kam und zuletzt die drei Leiter der Gruppen nach vorne gerufen wurden, die es unter die besten 3 geschafft hatten, konnte ich es nicht fassen. Top 3 in dieser enorm guten Konkurrenz war ein Wunschtraum gewesen, den ich aber nicht auszusprechen gewagt hätte. Und was dann kam – Bundessieger… auch jetzt noch kann ich es nicht wirklich glauben. Was für ein Ergebnis!

Herzliche Umarmung von Sigrid Tönnies, der Landesbläserobfrau von Niedersachsen und Corpsleiterin des Vizebundessiegers „Bläserrotte Visbek“ und Freudentränen!

Jemand mag sagen: „Ist doch nur ein Hobby. Damit verdient man kein Geld oder dafür kann man sich auch nichts kaufen.“ – aber für mich ist es so viel mehr als das.
Jagdhornblasen und damit auf einen Wettbewerb zu fahren ist nicht nur Brauchtum oder ein musikalisches Hobby. Es bedeutet Gemeinschaft, ein Ziel zu haben und die persönlichen Befindlichkeiten für die Gruppe zurückzustecken. Man erlebt nicht nur ein tolles Wochenende mit Spaß, Musik und dem ein oder anderen Glas Bier – jeder einzelne wird besser, wächst an sich und lernt dazu.
Und wohl am deutlichsten ist (auch wenn es niemanden überrascht) – je fleißiger man übt, desto besser wird es am Ende! Von einmal die Woche ein bisschen Jagdsignale üben wird man weder Landes- noch Bundessieger.

Danke auch nochmal an unseren Landes- und Bundesbläserobmann Jürgen Keller, der sich zweimal die Zeit genommen und unsere Übungsstunden besucht hat, mir und uns allen Tipps und Motivation gegeben hat. Danke auch an unseren Vorstand – Maarten, Berthold und Wolfgang, – und an viele Vereinsmitglieder, allen voran seien hier Karlheinz und Ingrid genannt, für die Unterstützung im Vorfeld und natürlich in Kranichstein!
Und wer jetzt sagt: „So viel Zeit habe ich nicht“ – „Täglich üben – das kann ich nicht“. „Ich habe Beruf, Familie, Revier, Hund,…“ – DAS haben wir alle auch – aber wir haben uns in den letzten Wochen alle die Zeit zum Blasen und für die Gruppe genommen und wurden dafür mehr als belohnt.
Abschlussblasen
Mein liebes C-Team – bleibt bitte dabei und vergesst nicht, was wir zusammen erreicht haben! Ich habe noch sehr viel vor mit Euch und freu mich jetzt schon darauf…
Und mein geliebtes A-Team, Danke für dieses Erlebnis! – ja – besser können wir nicht mehr werden, aber das ist kein Grund zum Aufhören. So eine Gemeinschaft gibt es nur einmal – und auch wenn sich in den nächsten Monaten gerade für mich sehr viel ändern wird – ich bleibe euch treu und ihr mir bitte auch – ich sage nur: Polen – wir kommen.
(Text: Heike Bettner, Fotos von Melanie und Florian Schultheis, sowie von vielen anderen Bläsern)